Games for Health als ein neues Instrument Ihres Marketing-Mix

Am 25. und 26. Mai 2010 fand in Boston die Games for Health Conference statt. Über 400 Teilnehmer – vorwiegend aus den USA – diskutierten, welche Rolle Computer- und Videospiele fĂŒr das Gesundheitswesen und Healthcare spielen. In ĂŒber 45 VortrĂ€gen wurden diverse Themen intensiv vorgestellt und diskutiert.

Im Gegensatz zu Europa existieren in den USA schon lÀnger Bestrebungen, den Nutzen von Video- und Computerspielen als ein Kommunikationswerkzeug im Bereich Healthcare zu maximieren. Seit mittlerweile sechs Jahren findet dazu die Games for Health Conference statt, auf der sich Vertreter forschender Einrichtungen, Medizintechnikhersteller, Pharmaunternehmen und Spieleentwickler treffen.

Die Diskussionen in der etablierten Szene drehen sich nicht mehr um die Frage, ob Computer- und Videospiele einen Nutzen in einem Healthcare-Kontext haben können, sondern wie dieser erreicht werden kann. Viele Studien belegen, dass Spiele eine VerĂ€nderung von Gewohnheiten bewirken (Behavior Change). Dieser Aspekt ist fĂŒr den Healthcare-Markt von großer Bedeutung, geht es doch in der PrĂ€vention, der Behandlung von Erkrankungen und der Reha meist darum, sich auf eine neue Situation einzustellen und Gewohnheiten umzustellen. Die Spiele-Szene hat zudem erkannt, dass effektive Games for Health nur dann funktionieren, wenn Gamedesigner mit Healthcare Professionals im Tandem fundierte Ideen und Lösungen entwickeln.

Games for Health richten sich dabei nicht nur an Patienten. Ärzte, Krankenhauspersonal oder Apotheker sind genauso im Fokus und können mit speziellen Spielen angesprochen werden.

Der Markt der Healthcare-Computerspiele fokussiert sich zum Großteil auf folgende Einsatzgebiete:

1. Exergaming und Active Gaming

Mit dem Verkaufsstarton Nintendos Konsole Wii startete der Siegeszug der “Exergames” (Der Begriff “Exergames” leitet sich vom englischen Wort “exercise” ab, was mit “Bewegung” oder “LeibesĂŒbung” ĂŒbersetzt werden kann).

Wii-Spiele werden durch Bewegungen gesteuert und eröffnen so ein neues Spielprinzip. Der Spieler sitzt nicht mehr am Computer und steuert das Spiel mit Tastatur und Maus, er wird viel nĂ€her an das Geschehen gebracht. Gesten und Bewegungen werden auf das Spiel ĂŒbertragen. In diesem Kontext wurden viele Spiele im Sport-Umfeld, wie zum Beispiel Boxen oder eine Tanz-Simulation, veröffentlicht.

Die Spieler beginnen nun also, sich zu bewegen – aus einer spielerischen Motivation heraus. Durch ein regelmĂ€ĂŸiges Spielen werden sowohl koordinative als auch physische Eigenschaften trainiert und verbessert. Durch den unglaublichen Erfolg der Wii gelang es zum ersten Mal, kommerziellen Erfolg und Healthgames miteinander zu verbinden.

2. Spiele zur AufklÀrung, PrÀvention und VerhaltensÀnderung

Viele Spiele widmen sich der Aufgabe, aufzuklĂ€ren und eine VerhaltensĂ€nderung zu erreichen. Die Einsatzgebiete sind mannigfaltig. Denkbar sind Spiele in einem Marketingkontext, um z. B. spielerisch ĂŒber die Notwendigkeit oder den Nutzen einer Impfung aufzuklĂ€ren, in einem unterstĂŒtzenden Kontext, um z. B. die regelmĂ€ĂŸige Einnahme von Medikamenten bei chronischen Erkrankungen zu etablieren (vor allem in Zeiten ohne akute Beschwerden) oder in einem prĂ€ventiven Kontext, um ĂŒber diverse Gesundheitsthemen und Risiken aufzuklĂ€ren.

3. Spiele zur Verbesserung kognitiver und motorischer Eigenschaften

Diese Spiele widmen sich der Aufgabe, kognitive oder motorische FÀhigkeiten nach einer Erkrankung spielerisch zu trainieren und wieder herzustellen. Die KomplexitÀt dieser Materie erfordert eine enge Kopplung des Gamedesign mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, um zum einen mit den richtigen spielerischen AnsÀtzen eine Verbesserung zu erzielen ohne zu schÀdigen, und zum anderen um eine effektive Kontrolle der Ergebnisse zu gewÀhrleisten.

Werden Ärzte als Zielgruppe angesprochen, so dreht es sich meist nicht darum, technische Situationen wie eine bestimmte Operation spielerisch nachzustellen, sondern vielmehr um spielerischen Wissensaufbau (v. a. fĂŒr junge Ärzte und Ärzte in der Ausbildung) oder um die Förderung motorischer und kognitiver Eigenschaften, die fĂŒr die AusĂŒbung bestimmter Arbeiten benötigt werden (z. B. Verbesserung der KonzentrationsfĂ€higkeit fĂŒr Radiologen, Verbesserung motorischer Eigenschaften fĂŒr Chirurgen, etc.).

In meinem nÀchsten Artikel werde ich Ihnen einige Spiele vorstellen, die auf der Games for Health 2010 gezeigt wurden.

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